Mitglied im Großfürstlichen Rat

Gedeminas Burg in Vilnius

Radvila Oscikowisz wurde 1384 in Wilno, Vilnius, geboren und auf den Namen Nikolaus getauft. Er hieß nun Nikolaus Oscikowisz bzw. Nikolaus Astikas. Wie sein Vater, Kristinas Oscik (Astikas), vor ihm wurde er ein Mitglied im Großfürstlichen Rat, der Volikaja Rada, dem Beratergremium des Großfürsten. Hier spielte die Politik. Nur die Großfürsten konnten die Herren des großfürstlichen Rates ernennen. Auch wenn die Mitglieder zur Zeit des Nikolaus Oscikowisz nur eine empfehlende Stimme hatten, so war ihnen eine hohe gesellschaftliche Stellung gewiss, denn der Herrenrat  konnte Zugeständnisse von seinem Großfürsten einfordern.

Mit diesen Zugeständnissen, den Privelegien von Carta, Brest, Jedlno und Krakau wurde die wirtschaftliche Lage des litauischen Adels gestärkt. Dem Adel war es nun erlaubt, das Land der Schulzen aufzukaufen und er erhielt die niedere Gerichtsbarkeit über die bäuerlichen Hintersassen. Das war aber noch nicht alles. Der Adel forderte, dass die Schenkungen der Großfürsten zu ewigen Schenkungen erklärt werden. Und er erreichten sein Ziel.

Litauen war ein Agrarland. Der Adel lebte von der Vermarktung der Agrarerzeugnisse. Als Geschäftsleute forderte der Adel auch ein Mitspracherecht bei der Fiskalpolitik und Preisbindung der Agrarprodukte. Diese wichtige Zugeständnisse, die die Macht und den Einfluss des Adels stärkten, setzten sie durch.

Unter dem polnischen König und litauischem Großfürsten Kasimir, der 1447 gekrönt wurde, mauserte sich der litauische Herrenrat in Vilnius zu einem quasi demokratischen Adelsparlament. 1454 erhielt der litauische Herrenrat im Statut von Nieszawa das Recht, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Nikolaus Oscikowisz mischte überall mit.

Als Nikolaus Astikas 1477 starb, hatte auch er wie sein Vater viel politisch beeinflussen können. Er war dabei, als der großfürstliche Rat immer mehr Zugeständnisse von ihrem Großfürsten einforderten. Nikolaus Astikas und seine Nachfahren sowie die litauischen Familien Kesgailos, Goštautai hatten die wichtigsten Staatsämter fest in ihrer Hand. Diese lukrativen höchsten Landesämter versprachen mehr Macht und Einfluss. (Bues 2010, S. 47). Auch die Anerkennung der Thronrechte von Wladyslaw III. und dann von Kasimir IV gab es nicht umsonst.

Nikolaus Astikas, der Sohn von Ostik, hatte viel erreicht in seinem Leben. Das erste Mal hatte er die Bühne der Politik betreten, als es 1411 darum ging, den Vertag von Melno zu unterzeichnen. 1420-1429 und auch 1440-1452 konnte er als Großmarschall von Litauen die politische Richtung mitbestimmen (Rimvydas Petraukas. Lietuvos diduomenẻ XIV a.pabaigoje – XV a (in litauisch). Aidai: 2003, S. 215-216).

Aber Nikolaus Astikas war auch von 1466 bis 1477 Woiwode von Trakai und Kastellan von Vilnius von 1475-1477. Nach Rimydas Petraukas ( Rimvydas Petraukas; Jurate Kiaupienẻ. Lietuvos istorija. Nauji horizontai: dinastija, visoumenẻ, valstybẻ (in litauisch) IV. Baltos lankos: 2009, S. 494,496. ), dem litauischen Historiker, hatte er ebenfalls 1433-1434 sowie 1463-1474 das Amt des Großmarschalls von Litauen inne. Wir können also sagen, dass er dieses Amt sehr lange mit nur wenigen Unterbrechungen ausführte. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er an vielen diplomatischen Missionen beteiligt war. So verhandelte er mit den Rittern des Deutschen Ordens 1447, 1448 und 1466. Auch mit der Goldenen Horde traf er sich zu Gesprächen 1452, Als es darum ging, die litauisch-livländische Grenze zu definieren, war er dabei (Vertrag von Kurcums).

Seine Tochter Anna verheiratete er mit Petka Jogailaviĉius (Petko Jogljłowicz)(Archiwum Glówne Akt Dawnych w Warszawie (1996). Radziwiłłowie herbu Trąby (in polnisch). Wydawnictwo DiG, Tabelle 1 ).  Seinen drei Söhnen Mikolay, Jan und Piotr hinterließ er neben den ererbten Gütern auch neue durch Zukünfte erstandene oder aus Schenkungen des Herrschers erworbene. Es waren die Ländereien mit dem Zentrum in Muśniki Upniki, Szyrwinty (litauisch: Širvintos), Birże, Kiejdany (litauisch: Këdainiai), Wiżuny, (litauisch: Vyžuonos), Uszpole (litauisch: Usaikai) und andere, die in die Erbmasse der Kinder einfloss ( Theresa Zielinska. Radziwiłłowie herbu Trąby (in polnisch) (1996). Wydawnictwo DiG, S.4).