Das Haus Radziwill

Das Haus Radziwill gibt es noch immer. Es hat die Jahrhunderte überdauert. Der einstige Glanz verschwand, aber die Erinnerung daran ist noch immer lebendig. Die Opas und Omas erzählen noch heute den Enkeln die Geschichten aus der ruhmreichen Zeit. Was die Nachfahren nur selten hören, ist die leidvolle Geschichte, die einige Familien durchleben mussten. Krieg und Vertreibung blieb auch Ihnen nicht erspart. Viele starben auf dem Schlachtfeld oder auf der Flucht vor dem Krieg. Aber es gibt die Radziwills noch immer, auch wenn viele Nachkommen heutzutage ein eher bescheidenes Leben führen. Die Familienzweige sind in Polen, in Litauen, Belarus, Ukraine, England, Frankreich, den USA und natürlich auch in Deutschland zu finden. In Litauen haben sie wieder den Namen Radvilaitis angenommen. In Belarus sind es die Radivil und in Deutschland die Radziwill und Radzwill, auch im Kalingrader Oblast leben noch Nachkommen.

Die Familiengeschichte der Radvilaitis, Radvilis, Radzivils, Radziwills ist eine Herausforderung für jeden, der seine Ahnen begreifen will. Sie besaßen einst goße Ländereien. Aber was waren ihre Träume? Konnten sie diese erfüllen? Waren sie zufrieden mit ihrem Leben oder fühlten sie sich in ihrem engen Korsett aus Familienpflicht und Verantwortung zu sehr eingeengt?

Familiengesetze setzten die Prioritäten in der Familienpolitik fest. Die Heiratspolitik war ein wichtiger Punkt. Aus Liebe zu heiraten, war strategisch nicht relevant. Die Kandidatin musste schon aus einer politisch einflussreichen Familie stammen. Familiengesetze regelten auch die Erbschaft. Im Prinzip erbte der älteste Sohn, der auch damit die Verpflichtung übernahm, die Familie politisch zu stärken. Die Nachgeborenen bekamen eine Starthilfe, um sich eine eigene Existenz aufzubauen. Wenn ein Familiensitz durch den Tod des Besitzers oder seiner Flucht im Krieg verwaist war und der ursprüngliche Besitzer nicht gefunden werden konnte, ging dessen Besitz automatisch auf die polnisch-katholische Linie über, auch wenn sich der Besitz in Litauen, Belarus oder der Ukraine befand.

Auf den Ahnentafeln finden sich viele Nachkommen, bei denen die Angabe hinzugefügt wurde „früh verstorben“. Aber diese Angabe ist irreführend, denn dieser Zusatz wurde auch dann gewählt, wenn die Stammtafelhüter nicht wussten, was aus einigen der Verwandten geworden war. Das Sterbedatum fehlt in diesen Fällen. In den Jahren der Sintflut, der Nordischen Kriege, flohen viele nach Italien, in die Niederlanden und nach Preußen. Viele starben auch auf den diversen Schlachtfeldern auf unterschiedlichen Seiten. Dies erschwert die Nachverfolgung. Deshalb ist eine Nachprüfung in den Kirchenbüchern wichtig. Leider sind nur noch wenige aus dem 17. Jahrhundert vorhanden.

Viele Dokumente sind verloren gegangen. Aber die Archive in Minsk, Vilnius, Warschau, Berlin und Königsberg beherbergen noch die eine oder andere Überraschung. Archive in Kiew und in Moskau warten noch darauf, erforscht zu werden.

Neue Aspekte tauchen immer wieder auf. Deshalb können diese Seiten auch nur einen kleinen Einblick in die Familiengeschichte geben, die einst im Mittelalter im einst so fernen Litauen begann. Dokumentiert ist der Ahnherr aller Radziwill . Es ist Oscik (Ostik) in Trakai. Dieser Ort, diese Lichtung im Walde, liegt heute in Litauen, unweit der Stadt Vilnius.

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